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2 Artikel aus 1978 aus der Zeitschrift STEREO

Diese beiden Artikel aus dem Jahr 1978 beschreiben die bis dahin bekannten und bewährten Empfehlungen zu Auswahl und Kauf einer Hifi-Stereo Anlage. Der Autor Ernst Pfau (Mitbegründer der Zeitschrift STEREO in 1973) war laut Karl Breh sehr begabt, mit klaren Worten den Kern einer Sache treffend zu beschreiben. Das war der Hauptgrund, warum er 1962 als Chefredakteur der neu herausgebrachten Hifi-Stereophonie auserkoren wurde. Die Wege der beiden Chefredakteure hatten sich dann aber getrennt, als Herrn Pfau eine gewise Empfänglichkeit für kleine und/oder größere Geschenke nachgesagt wurde und dieses nicht mehr endende Gerücht einfach nicht tot zu schweigen war. Jedoch was das Formulieren angeht, bekam Herr Pfau von allen Seiten, auch von Herrn Breh und den Kollegen viel Lob gespendet.

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HiFi-Kolleg Teil 1 vom Juli 1978

Am Anfang steht das Geld. Es ist das erste und entscheidende Kriterium, nach dem sich jeder bei der Wahl der für ihn passenden HiFi-Anlage richten muß. Niemand wird es etwas nützen, wenn er sich das Gemüt mit Vorstellungen einer absoluten Spitzenanlage belastet, um dann beim Preis einer soliden Mittelklassenanlage erschrocken zu bemerken, im Inserat eines Buchklubs habe er das Angebot einer kompletten HiFi-Anlage für weniger als 1000 Mark gefunden.

Vernünftiger ist die Überlegung, wieviel man maximal gerade noch auszugeben imstande ist. Dann mache man getrost noch einen kleinen Aufschlag und gehe auf die Suche nach dem meisten HiFi für dieses Geld.

Überlegungen aus der Praxis

Dazu wollen wir hier einige Überlegungen aus der Praxis zusammentragen, die auf das abzielen, was der Käufer wirklich braucht. Nebenbei, es hat sich herumgesprochen, daß inzwischen schon ein beachtlicher Markt für Zweithandgeräte existiert, weil es Leute gibt, die - wie beim Auto - immer ganz versessen auf das neueste Modell sind. Was die dann abgeben, ist oft überraschend günstig zu haben, weil es der Händler eben hereingenommen hat, um ein Prestigestück leichter loszuwerden.

Was gestern noch gut war . . .

Der engagierte Musikfreund oder der HiFi-Aufsteiger kann leicht auf den tollsten Bedienungskomfort verzichten, und was er gestern an Klirr- und sonstigen Störungen schon nicht mehr gehört hat, ist auch heute kaum schlechter geworden, nur weil inzwischen noch eine weitere Null zwischen das Komma und einer Zahl Eins geschoben werden konnte.

Die Zukunft nicht verbauen

Nach der Geldfrage gilt die nächste Überlegung dem Umfang der Anlage, die man für erforderlich hält. In der High-Fidelity ist es nämlich nicht so wie beim Auto, bei dem man mit einem halben oder dreiviertel Wagen nichts anfangen kann. Hier ist es sogar ratsam, klein zu beginnen. Man hat nur darauf zu achten, daß man sich den Weg in die oberen Qualitätsränge nicht vermauert.

Ehe wir eine billige Anlage erwerben, die uns bereits im nächsten Jahr ärgert, fangen wir mit dem Notwendigsten an, dies aber bereits in guter Qualität.

Die kleinste spielfähige Einheit

Die kleinste spielfähige Einheit besteht aus einem Plattenspieler, einem Stereo-Kompaktverstärker und zwei Lautsprecherboxen. Bei deren Wahl spekulieren wir aber bereits auf den späteren Ausbau.

Ein Beispiel: Wer einmal auf eine Quadroanlage hinaus will, kann von der genannten kleinsten spielfähigen Einheit alles beibehalten. Je nach ihrer Qualität werden die beiden Boxen mit ihrem Verstärker weiter für die Frontkanäle oder für die rückwärtigen Kanäle benutzt. Zur Qualitätssteigerung rückt gegebenenfalls ein höherwertiger Stereoverstärker mit zwei besseren Boxen nach vorne.

Oder man beginnt mit einem Plattenspieler, einem guten Vorverstärker und zwei mittleren aktiven Lautsprecherboxen. In der nächsten Ausbaustufe werden diese dann nach rückwärts genommen, und vorne nehmen bessere aktive Boxen den Platz ein. Ist man aber nicht an einer quadrofonen Wiedergabe interessiert, können im ersten Fall der Verstärker mit seinen Boxen oder im zweiten Fall das aktive Boxenpaar in einem Nebenraum verwendet werden.

Der Plattenspieler - die Quelle der Musik

Der Plattenspieler dient für beide Räume als Programmquelle. Er kann aber auch in einem Raum durch einen Cassettenrecorder ersetzt werden. Wer auf den Rundfunk als Musiklieferanten nicht verzichten will, wird sich in der zuerst genannten Ausbaustufe vielleicht zu einem Receiver anstelle des Verstärkers entschließen. Der Preisunterschied ist nicht allzu groß, das Gerät ersetzt aber vollwertig die beiden Einzelkomponenten des Verstärkers und des Tuners. Auch hier ist der „verlustfreie" Weg zur Quadrofonie noch nicht verbaut, aktive Boxen machen die Erweiterung leicht. Dabei ist auch die Kombination aus zwei Einzelkomponenten gangbar.

Der Kompaktverstärker

Selbst wenn wir mit einem Kompaktverstärker mittlerer Preisklasse begonnen haben, steht zur Qualitätsverbesserung samt der Möglichkeit einer höheren Leistung immer noch der Weg über aktive Boxen offen. Diese werden dann so angeschlossen, daß die bisherigen Endstufen gerade noch mitlaufen, ohne daß ihre Leistung beansprucht wird. Der Vorverstärkerteil unseres Kompaktverstärkers liefert für sich allein ein überraschend gutes Signal zur Ansteuerung der aktiven Boxen.

Stufenweise ausbauen

Wer sich von vornherein auf solche Ausbauvariationen einrichtet, kann in jeder Stufe einiges mehr anlegen. Der anfängliche Verzicht auf weitere Geräte spart das Geld für einen qualitativ vorteilhafteren Start. Nebenbei hat man dann für die Wahl in der zweiten Stufe durch den Umgang mit den bisherigen Geräten wertvolle Erfahrungen gewonnen.

Überdies kann man sich jetzt schon zu einem Tonbandgerät als zweiter Programmquelle entschließen. Man kann aber auch an eine weitere Wiedergabeverfeinerung denken, etwa durch die Verwendung eines Equalizers zur optimalen Anpassung an die Raumeigenschaften.

Wohin mit den Geräten ?

Weit früher wird aber die Frage der Unterbringung der Geräte auftauchen, die wiederum nicht ohne Bedeutung für die Modellauswahl ist. Ein Nebeneinander der einzelnen Komponenten wie das der Wagons in einem D-Zug, alles auf einem schmalen Tisch vor der Wand, paßt nicht in jeden Wohnraum, auch ist nicht jede Hausfrau damit einverstanden.

Zudem wird mit jedem neuen Baustein die Reihe immer länger. Man bekommt Schwierigkeiten mit den langen Verbindungsleitungen auf der Rückseite, einige Geräte mögen auch in der Bauhöhe nicht mehr zu den anderen passen. Die Aufstellung in einem Regal erscheint viel praktischer, wenn man hier auch mehr auf die freie Wärmeabgabe der Geräte zu achten hat, wozu bei eventuell freigemachten Fächern Öffnungen in die Rückwand geschnitten werden müssen. Durch diese laufen dann auch die Verbindungskabel für die Geräte untereinander und die Netzleitungen.

Wenn es die Raumausstattung irgendwie erlaubt, sollte man sich zu einer regelrechten HiFi-Wand entschließen, bei der mehrere Etagen besetzt werden können, wobei auch noch Fächer für Schallplatten, Cassetten und Tonbandspulen ausgenutzt werden können. Bewegliche Fächer erleichtern die Unterbringung von Geräten mit unterschiedlichen Bauhöhen.

Der Turm, Tower oder das Rack

Der entscheidende Nachteil aller Regale oder HiFi-Wände ist deren Unbeweglichkeit und damit die Unmöglichkeit, an die Rückseite der Geräte heranzukommen. Sowohl bei eventuellen Defekten wie auch beim Austausch einzelner Geräte wird das Kabelchaos auf der Rückseite eine Quelle des Ärgernisses. Viele private HiFi-Studios stellen deshalb solche Regale offen und frei auf, was zumindest auf der Rückseite nicht gerade schön aussieht. Oder sie sorgen bei ausreichendem Platz für einen Bedienungsgang hinter der HiFi-Wand, eine ideale, wenn auch selten mögliche Lösung.

Die Geräteindustrie bietet eigene Entwicklungen in dieser Hinsicht an. Anfänglich waren dies schmale Truhen nach Art der alten Musikschränke, aber ohne eingebaute Lautsprecher, die ja für eine ausreichende Stereobasis sowieso abseits stehen sollten. Mit entsprechenden Ausschnitten und Einschüben konnten solche Schmaltruhen die wichtigsten Bausteine als Chassis aufnehmen.

Das moderne Gegenstück dazu ist der Turm, im HiFi-Jargon Tower oder Rack genannt, ein Gestell aus Metall, in das die Komponenten übereinander eingesetzt werden. Dazu gibt es Einbaurahmen oder mit einem einheitlichen Maß von z.B. 19 Zoll zueinander passende Ausschnitte und Geräte. Es werden schon fertig bestückte Türme als komplette Anlagen mit dazu passenden Lautsprechern angeboten, die, wenn in Serien hergestellt, oft erstaunlich günstige Preise bieten. Ein solches Gestell kann leicht in jeder Zimmereinrichtung untergebracht werden, erst recht, wenn es mit Rollen beweglich ist. Damit wird es überdies von allen Seiten zugänglich, so daß man leicht an die Rückseite der Geräte heran kann.

Die Kompaktanlagen

Die Entwicklung geht indes auch den entgegengesetzten Weg. Statt vieler Einzelbausteine werden seit ein paar Jahren Kompaktanlagen gebaut, die zu regelrechten Regiepulten ausgewachsen sind. Die Transistorisierung und die neueste Technik ganzer Schaltungseinheiten auf winzigen integrierten Schaltkreisen, die wiederum zu Modulen zusammengefaßt sind, haben die Dimensionen der Bausteine fast bis auf das Maß der notwendigen Bedienungsfronten verkleinert und damit alles unter eine Haube gebracht. Hier brauchen wir uns nicht mehr um das optische, mechanische und elektrische Zusammenpassen der verschiedenen Komponenten zu kümmern. Alles aus einem Guß macht allerdings auch in mancher Beziehung unbeweglich.

Wir können uns nicht mehr nach dem Eingangs beschriebenen Rezept stufenweise in der Qualität "hochkaufen", und die für viele HiFi-Liebhaber gewohnte Zusammenstellung unterschiedlicher Fabrikate ist ausgeschlossen. Immerhin gibt es solche Kompaktanlagen in vielen Preislagen und Qualitäten, so daß ein auf Unkompliziertheit und Sicherheit ohne Nachdenken erpichter Käufer damit wohl am besten bedient ist. Für die obersten Qualitätsstufen aber hat dieses System keinen Platz.
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Die HiFi-Normen nach DIN 45.500

Betrachten wir die für eine Grundausstattung erforderlichen Einzelbausteine etwas näher. Das Angebot in diesem Bereich ist am reichhaltigsten mit Plattenspielern, Verstärkern, Receivern, Cassetten-Recordern, Spulentonbandgeräten und Lautsprechern. Haben wir uns für die Erfüllung unserer Wünsche bis zur Anerkennung einer oberen Preisgrenze einmal durchgerungen, ist die Auswahl wesentlich erleichtert. Die vernünftige Grenze der HiFi-Ansprüche nach unten ist mit den HiFi-Normen nach DIN 45.500 gegeben.

Höhere Ansprüche sind erfüllbar, aber mit progressiv ansteigenden Preisen. Im gleichen Maß nimmt auch die Schwierigkeit zu, Verbesserungen wirklich noch mit dem Gehör festzustellen. Dieses Manko wird auch durch den zunehmenden Bedienungskomfort oder die Vielseitigkeit einer Anlage nicht ausgeglichen. Man muß sich also etwas Mühe geben, seine passende Preisklasse zwischen musikalischen Ansprüchen und Bedienungsbequemlichkeit zu finden. Dann wird es leichter, auf Grundforderungen zu achten, die an die Geräte unbedingt zu stellen sind.

von Ernst Pfau im Juli 1978
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HiFi-Kolleg Teil 2 vom Aug. 1978

Im vorigen Artikel haben wir gezeigt, nach welchen Gesichtspunkten die komplette HiFi-Anlage zusammengestellt werden sollte; heute wollen wir die wesentlichen Grundanforderungen beleuchten, die an die einzelnen Komponenten zu stellen sind.

Grundanforderungen für den Plattenspieler

Beim Plattenspieler betreffen diese das Laufwerk, den Tonarm und das Tonabnehmersystem, von denen die Wiedergabequalität abhängt. Der Plattenteller soll seinen Gleichlauf mit höchstens ±0,2% Schwankungen genau einhalten. Für seinen Antrieb werden vorwiegend zwei Systeme angeboten. Beim Direktantrieb ist die Motorachse zugleich die Achse des Plattentellers, so daß keine weiteren Übertragungselemente mehr notwendig sind. Diese einfache Bauweise gestattet auch eine hohe mechanische Präzision. Dazu kommt noch die elektronische Regelung des langsam laufenden, erschütterungsfreien Motors.

Drehmoment und Erschütterungen

Mit Tachoregelung, Quarzstabilisierung und einem durch geschickte Motorwicklungen gleichmäßig gemachten Drehmoment lassen sich Spitzenleistungen erzielen. Fast die gleiche Qualität schafft auch der Riemenantrieb mit rascher laufendem Motor, wobei der Riemen zugleich die Übertragung von Erschütterungen auf den Plattenteller dämpft. Der alte Reibradantrieb wird als einfachste Konstruktion nur noch in den unteren Qualitätsstufen verwendet.

Von Vorteil ist eine Feinkontrolle der Umdrehungsgeschwindigkeiten und eine Stroboskopeinrichtung, bei der auf eine gute Ablesbarkeit zu achten ist. Der Kasten oder die Zarge, in die das Laufwerk montiert ist, sollte auf Gummifüßen stehen und auf die Waagrechte justierbar sein. Er soll Erschütterungen von der Unterlage so dämpfen, daß sie nicht auf das Laufwerk übertragen werden, wo sie die Ursache von lästigen Rumpelgeräuschen bilden. Man kann das leicht durch Klopfen auf die Unterlage während des Spielens überprüfen.

Grundanforderungen Tonarm

Der Tonarm soll das Abtastsystem so ungestört über die Schallplatte führen, als ob er überhaupt nicht vorhanden wäre. Die Beurteilung seiner Qualität ist für den Laien nicht ganz einfach. Reibungskräfte, Ungleichgewichte und Resonanzschwingungen spielen hier eine Rolle, sie lassen sich aber nur mit Meßeinrichtungen überprüfen. Da bleibt oft nichts anderes übrig, als sich auf den Ruf des Herstellers oder die Testergebnisse einer Fachzeitschrift zu verlassen.

Einiges ist aber doch direkt abzusehen. Ob der Arm gerade oder S-förmig geschwungen ist, sagt nichts über seine Qualität aus. Das abgewinkelte vordere Ende sorgt für einen geringen horizontalen Spurfehlwinkel, der angibt, um wieviel die Längsachse des Tonabnehmersystems von der Tangente an die Rillenkrümmung abweicht.

Details für den Tonarm

Die Auflagekraft, mit der das System auf die Platte drückt, wird oft über ein verstellbares Gegengewicht am rückwärtigen Tonarmende eingestellt, hoffentlich ablesbar.

Ein Querantrieb, der beim Lauf in der Rille entsteht und das System zum Schlittern oder Scating bringt, soll durch eine Antiskating-Einrichtung kompensiert werden können, die mit einem Gegengewicht, Federkraft oder magnetisch wirkt.

Für HiFi-Freunde, die mehrere Tonabnehmersysteme benützen wollen, ist der vordere Tonarmkopf abnehmbar. Dazu sollte aber auch die senkrechte Achse, um die sich der Tonarm dreht, in der Höhe verstellbar sein, damit das Abtastsystem korrekt und ohne auf der Platte zu schleifen geführt wird und die Nadel im richtigen vertikalen Abtastwinkel steht. Da die Systeme unterschiedlich lang sein können, ist eine Längsverstellung des Tonarms zur richtigen Einstellung des Überhangs wünschenswert.

Im übrigen gibt es auch Leichttonarme mit sehr guten Werten und solche, die sich nicht drehen, sondern das Abtastsystem genau radial über die Schallplatte führen. Derartige Tangential-Tonarme haben ihre Vorteile, sind aber wegen des erforderlichen komplizierteren Mechanismus empfindlich und teuer.

Das Aufsetzen und Wiederzurückführen des Arms macht der HiFi-Fan mit der Hand. Selten ist diese aber ausreichend geschickt und ruhig. Deshalb sind Aufsetzhilfen, etwa mit einem Hebel, und Automatiken für die Tonarmbewegungen nicht zu verschmähen. Sie arbeiten einwandfrei.
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Grundanforderungen an das Abtastsystem

Das Abtastsystem ist sozusagen das Juwel der HiFi-Anlage, nicht nur, weil es mit einem Diamanten die Platte berührt. Es macht aus den Nadelbewegungen in der Rille elektrische Spannungsschwankungen, die als Tonsignal den Verstärker ansteuern. Für diese Umwandlung gibt es verschiedene Systeme, das magnetische ist am gebräuchlichsten. Es hat einen bewegten Magneten zwischen elektrischen Spulen. Beim dynamischen System bewegt sich eine Spule im Magnetfeld. Derartige Systeme sind bis zur höchsten Qualität entwickelt und nicht immer billig.

Zum Abtasten der Rille wird im HiFi-Bereich ein geschliffener Diamant verwendet, der eine sphärische oder elliptische Spitze haben kann. Dazu gibt es noch für CD-4-Platten den Shibata-Schliff. Alle Varianten sind für das Abspielen auch gewöhnlicher Langspielplatten geeignet. Gelgentlich muß der Diamant durch einen neuen ersetzt werden. Dazu kaufe man wieder die Originalnadel des Herstellers. Billiger Ersatz schadet nur der Platte.

Der Preis

Tonabnehmer sind Vertrauenssache. Hohe Qualitäten haben ihren Preis. Beurteilungen findet man in regelmäßiger Folge in den Fachzeitschriften. Ein eigenes Urteil kann sich der Laie kaum bilden. Ein ihm verständlicher Datenwert ist die Compliance, die als Nadelnachgiebigkeit die gute Führung in der Rille kennzeichnet. In der bescheidensten Ausbaustufe muß unsere Anlage neben dem Plattenspieler noch einen Verstärker und zwei Lautsprecherboxen enthalten, denn die Ausgangsspannung des Tonabnehmers ist mit wenigen tausendstel Volt viel zu gering, um die Lautsprechermembrane zu bewegen.

Grundanforderungen an den Verstärker

Die notwendige Energie liefert der Verstärker, dessen Eingangsempfindlichkeit dem Signal des Tonabnehmers angepaßt ist. Selbstverständlich muß der Verstärker für die Stereofonie zweikanalig ausgeführt sein. Es gibt auch Quadroverstärker, in die an geeigneter Stelle ein Quadrosignal von einem SQ-Decoder oder CD-4-Demodulator eingespeist werden kann. Für die Wiedergabe haben sie vierkanalige Endstufen, die für den Stereobetrieb umgeschaltet werden können. Derartige Ausführungen entsprechen dann genau den üblichen Stereoverstärkern.

Wie jeder andere Baustein hat der Verstärker seine eigene Stromversorgung mit einem eingebauten Netzteil, das infolge des hohen Strombedarfs für die Endstufen entsprechend dimensioniert und damit auch gewichtig ist. An diesem Gewicht ist vor allem der Transformator schuld, dessen Eisenkern von der umzusetzenden Leistung bestimmt wird.

Die Größe des Netzteiles ist geradezu ein Qualitätsmerkmal für einen Verstärker, denn es darf auch bei den höchsten dynamischen Spitzen der Wiedergabe nicht in die Knie gehen und dadurch Verzerrungen verursachen. Hochwertige Verstärker sind oft auch mit zwei Netzteilen zur getrennten Versorgung der beiden Stereokanäle ausgerüstet. Die fortschreitende Elektronik hat nicht nur zur Stabilisierung des Netzteils beigetragen, sie hat in jüngster Zeit mit den Schalt- bzw. getakteten Netzteilen deren Wirkungsgrad erheblich verbessert, Gewicht und Abmessungen außerordentlich vermindert.

Der Kompaktverstärker

Soweit es sich um sogenannte Kompaktverstärker handelt, umfassen diese zwei Baugruppen, Vorverstärker und Endstufen (oder Leistungsverstärker genannt). Es ist vorteilhaft, wenn deren Nahtstelle von zwei rückwärts herausgeführten Leitungsbrücken gebildet wird, je eine für jeden Kanal, die man herausnehmen kann, um beide Einheiten voneinander zu trennen. In diese Lücke kann dann eine elektronische Frequenzweiche für den Aufbau einer Mehrwegeverstärkung eingeschaltet werden oder ein Equalizer. An dieser Stelle sind auch aktive Lautsprecherboxen anzuschließen, die ihren eigenen Endverstärker enthalten.

Der Vorverstärker besitzt Eingänge für alle Programmquellen wie Plattenspieler, Tonbandgeräte, Tuner und Mikrofone. Dazu haben sie unterschiedliche Empfindlichkeiten, sind hoch- oder niederpegelig, einige lassen sich auch mit einem Voreinsteller so anpassen, daß beim Umschalten kein Lautstärkeunterschied in der Wiedergabe entsteht. Einige Tonspannungsquellen verlangen auch eine besondere Signalentzerrung und eine unterschiedliche Vorverstärkung.

Dazu gibt es auf magnetische oder dynamische Tonabnehmer umschaltbare Phonoeingänge. Praktisch sind auch zwei Tonbandeingänge, für die dann auf der Bedienungsfront Umschalter zum Überspielen von einem Tonbandgerät zum anderen vorhanden sind.

Der Vorverstärker umfaßt auch die gesamte Klangeinstellung (-Regelung), einschließlich jener für die Lautstärke, sowie Rumpel- und Rauschfilter. Es ist vorteilhaft, wenn das Klangbild für jeden Kanal getrennt einstellbar ist. Für das Gleichgewicht beider Kanäle sorgt die Balance-Verstellung. Der Vorverstärker ist damit die eigentliche Schaltzentrale für die ganze Anlage.

Die Bedienungselemente

Die vielen Bedienungselemente mögen den Anfänger verwirren. Das hängt meist auch davon ab, wie weit wir im Laufe der Zeit ausbauen wollen. Da lasse man sich ausführlich beraten. In jedem Fall sollte die Frontplatte übersichtlich angebaut sein und eine klare Gruppeneinteilung erkennen lassen, mit zusammengehörenden Bedienungselementen.

Selten benutzte Einstellungen wie etwa Pegelvorregler für die Eingänge gehören auf die Rückseite. Der Anschluß für einen Kopfhörer oder das Mikrofon hat vorne zu liegen. Über die Beschriftung der Bedienungsfront gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Englische Angaben sind in der Regel kürzer und auch präziser. Man darf nicht übersehen, daß die HiFi-Technik ihren Ursprung im angelsächsischen Sprachbereich genommen hat, und daß die englische Sprache in der Technik praktischer ist als die deutsche, erst recht, wenn es um Neuschöpfungen geht. Sie ist ja auch das internationale Verständigungsmittel in der gesamten Elektronik.

Wir möchten empfehlen, die Sprache der Beschriftung NICHT für eine Kaufentscheidung heranzuziehen. Die angebotene Technik ist wichtiger. Was man aber in jedem Fall zu verlangen hat, ist eine ausführliche und leicht zu begreifende Bedienungsanleitung, die selbstverständlich dann auch auf die Terminologie mit Übersetzungen eingeht.

Griffige und nicht zu kleine Bedienungselemente, nicht zu kleine Beschriftung und Skalen sind wichtig. Für die Qualität eines Geräts ist es unerheblich, ob Drehknöpfe oder Schieberegler verwendet werden. Letztere sind aber nicht so leicht einzustellen. Dafür kann man leichter erkennen, wie weit bei ihnen hochgeregelt ist.

Die Mythen der Solidität

Viele haben sich angewöhnt, die Solidität (die Materialstärke in mm) der Frontplatte und der Bedienungsorgane als ein Qualitätskriterium zu betrachten, und dies mit einer gewissen Berechtigung. Die Japaner haben ihren Ruf nicht zuletzt einer gewissen Großzügigkeit im Materialeinsatz zu verdanken.

Auch die Rückseite sollte einen guten Eindruck machen. Die Anschlußbuchsen haben dem gebräuchlichen Standard zu entsprechen, also Cinch- und DIN-Ausführungen einzuschließen, denn die Bausteine müssen ja auch mechanisch zueinander passen.

Die erforderliche Leistung für die Lautsprecher

Der gewichtigere Teil des Kompaktverstärkers dient zum Aufbringen der für den Betrieb der Lautsprecher erforderlichen Leistung. Was die Lautsprecher hergeben und der Verstärker zu liefern hat, hängt von der Größe des zu beschallenden Raums ab. Hohe Endleistungen sind keineswegs zugleich die Kennzeichen eines guten Verstärkers. Eine gewisse Leistungsreserve wird aber nie schaden, denn es mag Fälle geben, wo es laut zugehen soll. Abgesehen davon, hängt die erzielbare Lautstärke vom Wirkungsgrad der Box ab, der recht unterschiedlich sein kann.

Speziell die sehr verbreiteten geschlossenen Lautsprecherboxen benötigen oft mehr Leistung als z.B. Baßreflex- oder Hornkon-struktionen. Auch bei Impulsspitzen oder langgezogenen tiefen Orgeltönen hohen Pegels macht sich eine Leistungsreserve bezahlt. Es gibt Händler, die dem Käufer Tabellen vorlegen, aus denen der Zusammenhang zwischen Raumgröße und erforderlicher Verstärkerleistung abzulesen ist. Wir wollen aber auch sichergehen, daß die Leistungsangaben der Tabellen, Lautsprecher und Verstärker vergleichbar sind.

Sinus-Dauerton-Leistung und Musikleistung

Deshalb lassen wir alle Angaben über Musikleistung oder ähnliche Bezeichnungen beiseite, in ihnen steckt zu viel Werbung. Vergleich-bar sind auf DIN 45 500 bezogene Sinus- bzw. Sinus-Dauerton-Leistungen, wobei für die Ansprüche auf HiFi-Qualität mindestens 2x6 oder besser 2x10 Watt anzusetzen sind. Bei Leistungsangaben für die Lautsprecher ist zu beachten, daß bei ihnen sich alle Wattangaben auf die Belastbarkeit beziehen, das ist die Obergrenze der zumutbaren Leistung.

Übersteigt die Verstärkerleistung diese Grenze, kann der Lautsprecher beim Aufdrehen zerstört werden. Weil es aber leicht vorkommen kann, daß versehentlich einmal zu weit aufgedreht wird, dient es der Sicherheit, wenn die Wattangabe beim Lautsprecher auf jeden Fall nicht unter der Ausgangsleistung des Verstärkers liegt. Ist sie höher, dann nutzen wir lediglich seine mögliche Lautstärke nicht aus. Wir hätten dies auch billiger haben können. Mit der Klärung der erforderlichen Leistung ist die Lautsprecherwahl zumindest nach unten und ganz oben abgegrenzt. Man darf Lautsprecher für geringe Wattleistung nicht zu laut spielen, wohl aber dicke Brummer leise, ohne daß sie schlecht klingen. Innerhalb des nun verbleibenden Spielraums lohnt es sich aber, beim Preis eher etwas leichtsinnig zu sein statt zu sparen.

Die Impedanz

Was ebenfalls stimmen muß, ist die Impedanz, ein Wert, der den inneren Widerstand des Lautsprechers in Ohm angibt. Normalerweise beträgt er 4, 8 oder 16 Ohm. Am Verstärkerausgang finden wir die gleichen Angaben für den sogenannten Abschlußwiderstand. Die beiden Werte sollen einander entsprechen, auf jeden Fall soll die Lautsprecherimpedanz nicht geringer sein als die für den Verstärker angegebene Zahl, sonst entsteht etwas ähnliches wie ein Kurzschluß; der Strom im Lautsprecher und damit zugleich auch in den Verstärkerendstufen steigt zu hoch an. Bei teureren Geräten gibt es dagegen Sicherungen, die den Strom unterbrechen. Geschieht dies nicht, kann die Schwingspule des Lautsprechers durchbrennen. Ist dagegen die Impedanz des Lautsprechers höher als der am Verstärker angegebene wert, so wird dieser lediglich weniger Leistung abgeben.

Bei der Verwendung einer aktiven Lautsprecherbox brauchen wir uns um die Anpassung von Leistung und Impedanz nicht mehr zu kümmern, sie ist in der Box optimal festgelegt, weil die Endstufe dort integriert ist.
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Sonstige Datenangaben für Lautsprecher

Alle sonstigen Datenangaben für Lautsprecher können problematisch sein. Oft lassen sie genauere Definitionen bzw. die Klärung der zugrunde liegenden Meßmethode vermissen. Andererseits sind diese dem Nichtfachmann unverständlich. Jeder Hersteller nennt zum Beispiel einen Frequenzumfang bis zu den äußersten Grenzen, etwa von 20 bis 20.000 Hz. Nur nimmt dies nicht jeder so genau.

Die gebräuchlichsten Lautsprecher sind als geschlossene, hoch gedämpfte Boxen gebaut, die zwei oder mehr Einzelchassis zur Wiedergabe ganz bestimmter, von den Frequenzweichen festgelegter Frequenzbereiche haben. Dazu gibt es speziell konstruierte Tiefton-, Mittelton- und Hochtonchassis, die sich in ihrer Bauart besonders hinsichtlich der Größe ihrer Membrane unterscheiden. Für den Hoch- und oft auch Mitteltonbereich sind Kalottenlautsprecher beliebt geworden.

Bei welchen Frequenzen der gesamte Tonumfang für die Spezialchassis aufgeteilt wird, hängt von deren Bauart ab. In den Daten sind diese Übergangsfrequenzen genannt, sie geben aber keinen unmittelbaren Qualitätsaufschluß. Zwei-, Drei- oder Vierwegsysteme können gut oder schlecht sein. Aussagen lassen sich immer erst beim Hören der Lautsprecher machen, was allerdings auch eine gewisse Übung, ganz abgesehen vom musikalischen Ohr, voraussetzt.

Boxen muß man selbst "an-"hören

Vom Händler kann man einen besonderen, auf die Dimensionen und die Einrichtung eines Wohnraums abgestimmten Vorführraum erwarten, den man aber leider sehr selten antrifft. Die letzte Entscheidung zwischen einigen ausgewählten Boxen ist deshalb im eigenen Wohnraum zu treffen. Gewisse Schlüsse kann man auch aus der handwerklichen Ausführung einer Box ziehen. Auch das Abklopfen gibt Aufschluß, ob die Box gut gedämpft oder aus zu dünnem Material gebaut ist. Eine gute Box darf nicht hohl klingen. Auch soll sie beim lauten Spielen keine mit der Hand abzutastenden Resonanzen zeigen.

Außer der beschriebenen Kompaktbox gibt es noch eine ganze Reihe von Sonderausführungen der Lautsprecher, denen oft geradezu Wunderleistungen zugeschrieben werden. In etlichen Fällen mag das sogar stimmen, wenn auch der Unterschied zwischen ihnen und hochwertigen Boxen konventioneller Ausführung nur schwer feststellbar ist. Dafür ist jedoch ihr Preisvorsprung enorm, woran die Kompliziertheit und leider auch Anfälligkeit ihrer Konstruktion und ihre Herstellung in kleinsten Serien schuld sind. Wer dennoch an ihnen Interesse hat, sollte sie auf alle Fälle vorher im eigenen Wohnraum prüfen.

Ernst Pfau im August 1978
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